Turunç

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Urlaub in der Türkei

Das fing schon gut an, ehrlich. Online gebucht und einen Tag später los Richtung Turunç. Muss schon sagen, das klappte hervorragend mit den Tickets für Rail & Fly. Aber dann… Frohen Mutes zum Bahnhof. Der Zug fuhr von Flensburg bis Hamburg durch und es gab auch Platz. Dann aber Richtung Hannover – in Unterlüß schlug das Schicksal zu. Ein Personenschaden zwang uns aus dem Zug auf den Bahnhofsvorplatz. Ein Schienenersatzverkehr sollte eingerichtet werden und ein Bus bald kommen. Denkste! Mittlerweile wartete ein ganzer Haufen Gestrandeter vorm Bahnhof. Und wartete. Da ich leider nicht warten konnte, versuchte ich, das örtliche Taxiunternehmen anzurufen. Vergeblich. Andere erzählten, dass sie auch zum Flughafen wollten. Mein Vorschlag, sich doch dann gemeinsam ein Taxi zu nehmen; woher auch immer, stieß auf taube Ohren.

In der örtlichen Kneipe war noch Licht und ich hätte Gott weiß wen aus dem Bett geholt, um einen Fahrer zum Flughafen, bzw. nach Celle zu bekommen. Wolfgang schied leider aus. Ich hatte nach seinem Gläschen Rotwein angerufen. Von Celle aus sollte der Metronom ja wieder fahren. Eine lustige, trinkfeste Runde saß vor der Kneipe beisammen und ich fragte höflich, ob irgendjemand bereit und in der Lage wäre, mich nach Celle zu bringen. Ich müsste unbedingt meinen Flieger in Langenhagen erwischen, sonst könnte ich meinen Urlaub an den Nagel hängen. Ali und sein Kumpel waren dazu bereit, für einen Fuffi von Unterlüß nach Celle zu fahren. Stolzer Preis. Ich suchte mir noch einen Mitfahrer aus der wartenden Menge und so fuhren wir gemeinsam los. Ali kannte sich aus und wir erreichten in aber auch allerkürzester Zeit Celle, ohne den Rehen und dem Fuchs, die fröhlich unseren Weg kreuzten, irgendetwas zuleibe zu tun. Stramme Leistung.

Am Bahnhof Celle standen zwei Metronome und ein dazugehöriges Rotkäppchen. Das erklärte mir gaaaanz langsam – der muss gemerkt haben, dass ich es eilig hatte – dass die Züge noch nicht fahren könnten, weil kein Zugführer da sei. Ob die wohl alle geflüchtet waren? Aber mit dem Schienenersatzverkehrbus aus Unterlüß käme wohl einer mit. Möglicherweise.

Ali hatte zwischendurch die Lage gecheckt: die Leute standen immer noch vor dem Bahnhof. Nun denn. Nun war guter Rat teuer. Das metronome Rotkäppchen machte sich einen Jux draus, mir zu sagen, dass ich am Montag im Celler Bahnhof vorsprechen könnte und dann vielleicht meinen Taxigutschein kriegen würde. Mäxchen und Macht – macht keinen Spaß.

Wutschnaubend stiebte ich zum Bahnhofsvorplatz – wir sind immer noch in Celle – und da waren mittlerweile alle Taxen weg. Nach einem kleinen Marsch war mein Puls wieder normal und ich fand einen netten Taxifahrer, der mich nach Langenhagen chauffieren wollte. Allerdings nicht auf Kreditkarte, sondern Cash. Tja, sollte es daran scheitern? Er schlug vor, das nötige Kleingeld am Bankautomaten zu ziehen.

Und so sitze ich jetzt – Stunden vor Abflug – und warte auf meinen Flug. Erste Etappe des Abenteuerurlaubs grandios gemeistert. Ich bin stolz auf mich. Es darf gelacht werden. Möglicherweise hätte es ja denn doch mit dem Schienenersatzverkehr geklappt. Who knows.

Ein wuseliges Resort

Irgendwie ist es ganz super hier. Alles schön weitläufig und das Publikum ist durchwachsen. Meine Kemenate ist voll klimatisiert und recht groß mit Wohn-, Schlaf-, Badezimmer und Kitchenette. Nicht zu vergessen den Balkon, auf dem es sich herrlich relaxen läßt – wenn die Sonne nicht draufsteht. Heute Abend wird´s gleich ausprobiert.

Was momentan noch ein wenig nervt, sind die ultralauten Grillen. Aber? Genau; irgendwas ist immer.

Turunç – das hinterste Zipfelchen irgendeiner Ecke in der Türkei

Über den Dächern der Welt läßt es sich prächtig relaxen. Mit der nötigen Menge Wasser im Bauch übersteht man auch die Hitze.

Zu bedenken ist, dass die Lira sehr schwankt und in den Touristenorten noch die teuren Preise ausgezeichnet sind. Zudem versucht jeder, dich zum Umtausch deiner kostbaren Devisen zu überreden. Teilweise zu horrenden Kursen und Gebühren.

Am Flughafen-Automaten vor dem Gebäude liegt man jedenfalls nicht ganz verkehrt. Es ist nicht der ultragünstigste Umtausch, aber der sicherste. Und man hat erst einmal ein paar Lira für den Anfang. Gut zu wissen.

Allgemeine Info

Bargeld kann man gut in Turunç in der Post umtauschen. PPT, direkt an der Hauptstraße und gar nicht zu verfehlen. Die Jungs sind a´weng mürrisch, aber der Preis ist okay.

An der Küste entlang

Gesagt, getan – ein Marsch an der Küste entlang von Turunç ins 3 km entfernte Amos. Der Wanderweg durchs Gebirge war nicht aufzufinden, daher auf der Straße. Zum Glück war nicht allzuviel los, denn Einheimische fahren wie die Gesengten. So richtig Fußwege gibt´s auch nicht. Wer ist so dusselig und läuft bei der Hitze. Jogging ging gar nicht, also war walking angesagt. Es zog sich. Der Ausblick an jeder Stelle traumhaft. Die Buchten, die Schluchten, die vielen Boote…

In der Bucht von Amos angekommen, hieß es, erst einmal trinken. So viel Wasser kann man gar nicht mitschleppen, wie man trinken möchte. Dann gleich auf den Rückweg gemacht. Kurz vor Turunç hielt eine junge Frau auf einem Roller an und fragte, ob ich mit wollte. Ja klar wollte ich mit, denn mittlerweile rauchte mir der Kopf vor Hitze. 10% Gefälle sind ja ganz easy, aber 10% Steigung wollen erst einmal erklommen werden. Zu spät unterwegs, konnte ich den Shuttle von Turunç zum Resort rauf dann trotzdem nicht mehr erwischen. War ja schließlich auch nicht auf der Flucht. Also als Goodie noch ein paar Steigungen obendrauf.

Anschließend etwas länger unter die Dusche und dann zum fulminanten Abendessen. Ein Abschlußgläschen Wein auf dem Balkon beim Mondschein – einfach nur romantisch.

Amos Antik

Und noch einmal der Fußmarsch nach Amos. Dieses Mal zur antiken Festung. Etliche Stufen, etliche Höhenmeter – der Ausblick lohnte die Mühe. Oben angekommen bot sich ein grandioser Blick auf das alte Amos und die Riviera. Eine Familie hat mich nach ausgiebigem Rundgang zurück nach Turunç und zum Resort mitgenommen. Er ein House-Dj aus Izmir mit Frau und zwei kleinen Kindern. Laute Musik, Fenster offen… Ich kann kein türkisch und er konnte ein wenig englisch. Daraus können nur Freundschaften entstehen. Einfach herzlich, die Türken hier. Ein wenig Politik. Er erwähnte Merkel, ich Erdogan – hier ist die Welt noch in Ordnung. Als wir dann überein kamen, dass Frau Merkel doch der deutsche başkan sei, war das Gelächter groß.

Marmaris

Es sollte mit dem Dolmuş in die übernächste Bucht gehen. Also runter zur Hauptstraße. Für 6 Lira 50 – das ist umgerechnet knapp ein Euro – nehmen sie dich mit, die „Überfüllten“. Nach einer guten halben Stunde im Yachhafen dort rausgelassen, bot sich ein Spaziergang an der Promenade an. Und das zieht sich. Bis ans Ende der Bucht nach Içmeler habe ich es nicht geschafft, aber bis kurz davor.

Eine schweißtreibende Angelegenheit. Aber auf der Liege hocken und Nichtstun ist mir nun mal nicht gegeben. Leider ist es in Schuhen sehr heiß, aber mit Flipflops kann man keine Kilometer reißen. Da ist jetzt guter Rat teuer. Sandalen müssen auf die letzten paar Tage her. Heute ist auf jeden Fall ´ne  Runde Schatten angesagt.

Einfach nur faulenzen

Ja, das musste sein. Hatte mir einen leichten Sonnenbrand und eine Sonnenallergie eingefangen. Shopping war angesagt, aber erst einmal ´ne Runde quatschen. Die Touris so unter sich reden ja ganz frei von der Leber weg. Birgit aus Hamburg und ich kamen ins Schnacken und ich konnte Näheres über den Wanderweg nach Amos erfahren. Es gibt ihn! Was man hier allerdings nicht bekommt, sind detaillierte Karten von diesem ganzen Gebiet hier. Selbst Tante G. ist sehr schwammig mit ihren Maps. Merkartig.

Das Resort

Das Resort liegt jwd oben an einem Berghang in Turunç über ein recht großes Gelände verteilt. Es gibt unendlich verwinkelte Ecken und versteckte Nischen, sodaß die vielen Touristen hier eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen. Die Appartements sind aufgelockert und in diversen Gruppen angeordnet.

Der Service ist super. Deutschkenntnisse sind vorhanden, aber nicht bei allen. Gibt´s ein gravierendes Problem, dann wird sofort reagiert und gehandelt. Man fühlt sich gut aufgehoben und behandelt.

Nachteil: nach ein paar Tagen ist die Gegend drumherum irgendwie abgegrast. Vorteil: der Dolmuş schafft Abhilfe und bringt dich weiter weg. Auch der Weg runter ins Dorf ist machbar. Mal ganz abgesehen von den unzähligen Ausflügen, die hier angeboten werden.

Impressionen

Alles hat ein Ende

Ja, nun sollte es wieder heim gehen. Mein persönliches Fazit: Türkei immer wieder gerne, ohne groß über die politischen Verhältnisse nachzudenken. Leider hat´s auch gegenüber Griechenland den Nachteil, dass nicht an jeder Ecke irgendwelche sehenswerten und gut erhaltenen antiken Artefakte stehen. So als alter Lateiner…

In die absoluten Touristengebiete möchte ich nicht unbedingt. Marmaris war schon des Guten zu viel. Turunç passte noch gerade so eben.

Und es wäre schön gewesen, wenn´s wenigstens am Ende fehlerfrei und ohne Streß geklappt hätte. Nichts da. Der Busfahrer um 4:45 Uhr in der Früh wollte mich nicht mitnehmen. Fragt mich, warum nicht.

Meine Abfahrtsliste, auf der ich zweifelsfrei als einziger Passagier draufstand, hatte ich einen Tag vorher bekommen. Ein stundenlanges morgendliches Palaver mit dem Rezeptionisten und per Smartphone erfolgte und anschließend doch – aufgrund der verlorenen Zeit eine Höllenfahrt – der Transfer zum Flughafen.

Alles wurde gut. Dass dann bei den Rotkäppchen in Celle auch wieder der Wurm drin war…

Na gut, dann war ich eben viel später zu Hause als geplant. Abenteuerurlaub halt.


 
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